Ein schwarzer Tag für die Welt.

Das Thema wird bei euren Kindern eine Rolle spielen.
Thematisiert ihr es aktiv, oder lasst ihr die Kinder mit Fragen kommen?
Habt ihr Ideen, die ihr anderen Eltern mitteilen mögt?

Aus Elternsicht von Carolin Claas:

Ich bin erschüttert, wütend, fassungslos, gelähmt.
Ich verstehe die Welt nicht mehr…

Im Januar 1990, die Mauer war gerade gefallen, die Wiedervereinigung stand bevor, habe ich mich mit meinen Eltern entschieden, auf ein Gymnasium mit Russisch als erster Fremdsprache zu gehen. Alle hatten große Erwartungen, der „Eiserne Vorhang“ war Geschichte, Russisch zu lernen schien eine gute Idee für die Zukunft.

Ich habe mit der Wiedervereinigung in Deutschland erlebt, wie so ein Umbruch friedlich gelingen kann.
Aber nur dann, wenn Machthaber bereit sind, aufeinander zuzugehen. Bereit sind, ihre Standpunkte aufzugeben, von ihrem Platz abzurücken.
Als Kind habe ich die Zusammenhänge damals natürlich gar nicht so verstanden, nur dass die Grenze innerhalb von Deutschland nicht mehr da war und da gerade etwas ziemlich Großes passiert. Krieg kannte ich nur aus den Geschichtsbüchern.

Ein paar Monate später war „Wind of change“ der Hit in den Charts. Den Text und die Übersetzung habe ich mir in der Bravo durchgelesen, Englisch hatte ich ja noch nicht in der Schule. Bis heute kann ich den Song auswendig.

Gegen den Golfkrieg sind wir auf die Straße gegangen. Aber der war weit weg für mich.
Genauso wie der Balkankrieg. Ein aus Bosnien geflüchtetes Mädchen kam in unsere Klasse. Als auf einer Klassenfahrt beim Zelten nachts Militärjets über uns herflogen, hat sie panisch geschrien und war kaum zu beruhigen.

1994 ging es dann für drei Wochen in den Schüleraustausch nach Moskau. Dabei waren wir sogar innerhalb der Kremlmauern – dem Ort, von dem das ganze Unheil gestartet ist.

Mittlerweile bin ich Mutter von zwei Kindern und habe Angst vor diesem Krieg.
Er ist hier in Europa, in einem EU-Land. In Kiew sitzen die Menschen in Angst in ihren Wohnungen oder verharren auf gepackten Koffern in U-Bahn-Stationen als Bunker.

Vorgestern fragte mich meine 8- jährige Tochter:
„Mama, gibt es jetzt Krieg?“
Ich sagte, dass ich das nicht weiß, dass ich hoffe, er lässt sich noch vermeiden, aber es leider nicht gut aussieht. Ihre Reaktion: „Warum will ein Präsident Krieg? Das ist doch bescheuert! Warum will er nicht, dass es den Menschen in seinem Land gut geht?“
Es war der 3. Geburtstag ihrer kleinen Schwester, den wir noch unbeschwert feiern konnten.
Aber am Morgen danach sind wir, wie Anna Lena Baerbock sagte „in einer anderen Welt aufgewacht.“
Ich fürchte, der Tag heute wird später bei meinen Kindern Thema im Geschichtsunterricht sein.

Immer wieder blicke ich heute auf das Handy. Die Nachrichten werden immer schrecklicher und zeigen, wie radikal und erbarmungslos dieses Wesen (es fällt mir schwer, das Wort „Mensch“ zu benutzen) im Kreml seinen Plan durchzieht.
Alle Verhandlungen der letzten Woche waren offenbar nur zum Schein. Der Plan stand längst fest.
Es fällt mir schwer, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.
Passiert das gerade wirklich? Wie weit ist dieser Wahnsinnige bereit, zu gehen für seinen Plan vom „großrussischen Reich“? Für den Plan, das Rad der Geschichte um mehr als 100 Jahre zurück zu drehen?
Schreckt er wirklich noch vor einem Angriff auf einen NATO- Staat zurück? Ich weiß es nicht…

Ich wohne wieder in der Siedlung, in der ich schon aufgewachsen bin. Vor ein paar Monaten fand man bei Bauarbeiten am Bahnübergang der Siedlung unter der Erde den Einzelbunker aus dem 2. Weltkrieg für den Schrankenwärter. Er steht jetzt am Bahnübergang neben dem Bürgersteig als Erinnerungsstück.
Für mich ist er heute zum Mahnmal geworden!

Ich will, dass auch meine Kinder in Frieden und Freiheit aufwachsen. Dass wir nicht, wie die Menschen in Kiew und der gesamten Ukraine, Nächte voller Angst davor, was als nächstes passiert, in unseren Wohnungen oder in Bunkern verbringen müssen.

Ist das denn zuviel verlangt?




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